Webdesign im Wandel – wo ist das Design?

FOTO: © ANJA KAISER - bearbeitet

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„Was hat das denn mit DESIGN zu tun?“

2006 habe ich meine erste Website statisch erstellt, bis 2010 folgten viele HTML-Firmen-Homepages für klein- und mittelständische Kunden. Damals war – wie heute – im Design alles möglich. Das Webdesign steckte noch in den Kinderschuhen, und wir hatten mit einfach zu bedienenden Editoren auch ohne allzu weit reichende HTML-Kenntnisse alle Freiheiten, um Inhalte – gemessen am damaligen Geschmack – übersichtlich, verständlich und attraktiv zu präsentieren – oder sie mit originellen Klicküberraschungen wie ein Adventure zu präsentieren.

Mit den CMS-Systemen wandelte sich der Beruf des Webdesigners, spaltete weitere Berufsbezeichnungen wie Frontendentwickler / Backendentwickler ab. Mit dem CMS wandelte sich auch die ästhetische Wahrnehmung der Web-Nutzer und damit der AuftraggeberInnen. Das neue CMS-Design wurde durch das Mehr an Struktur als professioneller empfunden. Dadurch fand eine Art optische Vereinheitlichung statt, die bis heute anhält und sich in den Kundenwünschen klar zeigt. Alle Webdesigner kennen das Problem, dass ihre Ideen für grafische Besonderheiten und neue Strukturen im Layout häufig nicht verstanden oder erkannt werden – oder bei der anschließenden Bearbeitung durch den Kunden funktionell ignoriert oder sogar eliminiert werden. So sind wir nicht selten gezwungen, Websites aus unserem Portfolio zu entfernen, die schlicht „verunstaltet“ wurden.

Um für Websitebetreiber bearbeitbare, updatefähige Seiten zu schaffen, müssen viele Funktionen an der Website gewahrt bleiben. Die Design-Freiheit ist im CMS eingeschränkter, auch wenn ein komplett neues Theme für den Firmenauftritt erstellt wird. Ein komplett individuell aufgebautes Theme ist – wird es nur einmal verwendet – heute mit hohen Kosten verbunden, und es muss nach der Erstellung allen künftigen CMS-Entwicklungen fortwährend angepaßt werden, was weitere Kosten verursacht. Ein neues Theme ist nur für Aufträge sinnvoll und geeignet, die mit einem großzügigen Budget starten. Für Klein- und Einzelunternehmer ist dies im Normalfall nichts.

Childtheme-Prinzip

Bei kleinen Budgets wählt man heute ein bereits existierendes Theme (Template) und legt für die Individualisierung ein „Childtheme“ an, um die Design-Änderungen gegenüber Updates zu sichern. Alle geäußerten Vorstellungen des Kunden sollten bei der Wahl des „Parentthemes“ bereits berücksichtigt sein, um moderate Angebotspreise halten zu können, die Arbeitsstunden nicht in die Höhe zu schrauben und das Theme für künftige Updates nicht unsicherer zu machen. Der Schritt von der festen Breite einer Website zum heutigen Responsive Webdesign hat die Bedingungen und den Arbeitsaufwand für Design-Änderungen einerseits nochmal verschärft, andererseits uns die Möglichkeit gegeben, mit flexiblen Breiten neue Optiken zu schaffen.

80 Arbeitsstunden sind normal

Die Erstellung einer solchen neuen Website im Childtheme-Prinzip mit bis zu 8 Seiten oder Beiträgen, von der Installation der Software über den Designvorschlag bis zum einmaligen Füllen der Seiten mit Texten, Bildern und der SEO braucht trotz großer Erfahrung immer um die 80 Arbeitsstunden! Sehr oft auch mehr.

Leider gibt es häufig Mißverständnisse mit Kunden bezüglich des Designs im Webdesign. Wo also ist heute noch das Design, wenn man doch einfach ein Template benutzt?

Wird ein Childtheme erstellt, ist das Parenttheme eine Vorlage! Allerdings eine, die für den Kunden geeignet sein muss und die Grundstruktur der Kundenwünsche (Briefing!) bereits beinhalten muss. Nun können Änderungen in den Farben, dem Schriftbild, den Schriftarten, allen Größen, Proportionen, den Hintergründen, im Kopf und Fuß der Website, in der Navigation, bei den Text-Inhalten z. B. durch Spalten oder Boxes, bei den Fotos durch Fotosprache und Diashows erstellt werden. PlugIns kommen hinzu, um weitere Funktionen zu ergänzen. Der Aufbau der Seiten und Beiträge mit Text und Fotos, das Portfolio – alles Design. Der Umfang der gewünschten Änderungen an einem Theme ist schlicht eine Frage des Preises. Niedrige Budgets = wenig Änderungen.

Gern würden wir selbst Illustrationen und Icons für die besondere Optik der Website erstellen, aber diese künstlerische Arbeit fällt aufgrund der höheren Kosten bedauerlicherweise häufig unter den Tisch.

Der Kritik von technik-affinen Laien am Begriff  des „Webdesigners“, die einem immer wieder begegnen, kann man daher nur mit einem: „Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht!“ begegnen. Dann gäbe es heute nur noch attraktive, schnell selbstgestrickte Websites – und das wäre mir aufgefallen 🙂

 

  • Veröffentlicht in: Blog

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